Gemeinsame Erklärung des Allgemeinen Studierendenausschusses und des Studierendenparlaments der HBK Braunschweig

Seit Dienstagabend wird die Blumenstraße 36, welches eines der
Ateliergebäude der HBK ist, von ca. 90 Studierenden symbolisch besetzt.

Der AStA der HBK befürwortet die drei unten stehenden Forderungen des „Kollektivs ‚Blumenstraßenbesetzung‘“. Seit einem Jahr haben sich die Studienbedingungen der Studierenden in der HBK immer weiter verschlechtert. Zuletzt wurden am 13.10.2017 von der Präsidentin Vanessa Ohlraun die Nutzungszeiten der Ateliers und Arbeitsräume noch weiter eingeschränkt, so dass nun am Abend und am Wochenende kein arbeiten mehr möglich ist.

Wir fordern:
1. ein nachhaltiges Konzept, wie uneingeschränktes Arbeiten an der
Hochschule für Studierende wieder möglich wird.
2. eine Klärung, wie ein grundsätzlich kooperativer, transparenter und inklusiver Umgang mit allen Hochschulangehörigen an der HBK Braunschweig umsetzbar wird.
3. eine außenstehende Person zur Mediation zwischen den Studierenden und der Hochschulleitung.

AStA und StuPa der HBK Braunschweig am 18.10.2017

Blumen für Alle

offener Brief einer anonymen Stimme:

„Ohne Rose machen wir es nicht!“ (Beuys)

Zu Besuch in der Blumenstraße 36.
Blumen für alle.

Der Tag in der Blumenstraße war bisher ein sehr schöner und die Kollektivküche servierte soeben 50 warme, leckere Linsensuppen mit Brot an alle arbeitenden Künstler*innen und Gäste. Bei schönem Wetter wurde der Blumenhof entrümpelt und vom ersten Herbstlaub befreit. Let the sunshine in!
Der nette Herr Photojournalist von der deutschen Presseagentur (dpa) hat sich am frühen Nachmittag zu uns gesellt und sich nach dem derzeitigen Stand der Dinge erkundigt. Wir sind gespannt, was es morgen in den regionalen und überregionalen Tagesblättern zu lesen und im Funk zu hören geben wird. Die Druckerwalzen drucken schon. Wir sind sehr erfreut über die großzügige Unterstützung seitens des Journalismus und der Presse, uns eine lautere Stimme zu verleihen. Denn wie die Kunst ist auch der Journalismus ein Feld, welches immer wieder seine Freiheit vor dem Staat und seinen Institutionen einfordern und verteidigen muss. Nicht nur die Gedanken sind frei…währenddessen hören wir in der improvisierten Pressestelle den Applaus der Vollversammlung nebenan. Die Studierendenschaft ist sich einig: Wir lassen uns so nicht länger regieren!

Die gestrige nächtliche Besetzung ist erfolgreich gelungen. Wir haben uns durch Androhungen von Massenexmatrikulation unsere künstlerische Freiheit nicht nehmen lassen und freuen uns auf den Spieleabend, der gleich beginnt und eine gemeinsame Sleeping-Performance. Das Infobüro ist gut besucht und unser Haus wird wieder zu einem bunten freigeistigen Ort des Austauschs. Es wird renoviert, gemalt, gebaut, geschrieben. Der Kaffeekocher läuft in Dauerschleife.

Hier ist ein Denkapparat in Gang gesetzt wurden – eine utopische Antwort auf aktuelle Phänomene aus Gesellschaft und Politik. Wir Künstler*innen und Kreativschaffende haben die Schnauze voll von Bevormundung, Machtmissbrauch, Ressourcenverschwendung und nicht zuletzt dem neoliberalen Kackscheiß. Staatsgewalt ist GEWALT. Auch an einer Kunsthochschule. Die Kunst und der Mensch* bleiben frei. Denn ziviler Ungehorsam, künstlerischer Aktionismus sowie Unmutsäußerungen sind immer schon Kritik an Missständen. Worin besteht also die Kunst zu kritisieren? Was, wenn unsere Kontrollgesellschaft garnicht mehr den friedlichen Protest duldet, weil das komplexe Gegenwartsgeschehen sofort irritiert wäre in ihrer steilsenkrecht strukturierten Machtordnung. Damit ist ihre Anfälligkeit für Widerstand gemeint. Denn das derzeitige Machtsystem, wie es in einer staatlichen Institution, z.B. einer Kunsthochschule, strukturiert ist, zeigt sich als Mikrogesellschaft und Abbild einer gesellschaftlichen Struktur. Dass es sich hier aber um ein Präsidialsystem handelt, dass man uns die letzten Jahre als demokratisches System der Konsensfindung verkaufen wollte, zeigt sich allerdings seit noch nicht allzu langer Zeit. Wer bestimmt überhaupt über maßgebende Entscheidungen, die die HBK betreffen. Zumindestens sind es seit Verabschiedung des Hochschulentwicklungsplans nicht mehr die Studierenden. Jegliche Warnungen seitens der Studierendenschaft vor Verschlechterung der Qualität in der Lehre und Ausbildung wurden missachtet.

Wir lassen unsere Arbeit und unseren Arbeitsbegriff nicht beschränken!
Wir arbeiten wann wir wollen und so viel wir wollen!
Die Blumenstraße bleibt symbolisch besetzt!
Wir fordern mehr studentisches Mitspracherecht bei der Gestaltung unserer Hochschule.
Wir wollen keine Verhältnisse wie in einem Produktionsbetrieb!
Wir fordern zusätzlich zur grundgesetzlichen Meinungsfreiheit die Gewährung der grundgesetzlichen künstlerischen Freiheit.

Blumenpower!
Wir haben das Hausrecht.
Demokratie ist lustig.

AStA TU Braunschweig: Solidarität mit den Studierenden der HBK

Solidarität mit den Studierenden der HBK

Blume für Alle / Programm

Innerhalb der offiziellen Öffnungszeiten habt ihr rechtlich nichts zu befürchten (07:00-21:00)

24/7 Gemeinschaftsatelier für alle HBK Studierenden und externe (Arbeitsmaterial wird teilweise gestellt aber auch fleißig mitbringen )

17:00 Gemeinsames Essen

18:00-20:00 Vollversammlung im Flur (EG)

20:00 – Spieleabend (Alle Brett- und Gesellschaftsspiele die ihr habt mitbringen!!!)

20:00 Ambient Set in der Scholzklasse (1. Stock)

21:00-22:00 Tattoostudio im Flur (EG)

Schöner arbeiten in der Blume :)

Die erste Nacht

Es verlief etwas wie im Traum.
Auf einmal geht alles ganz schnell, dann gibt es wieder Momente die lang wie eine Ewigkeit sein könnten. Aber vorallem spührt man sie mal wieder. Die Zeit.

Da sich Leute aus verschiedenen Studiengängen zusammengefunden haben, ganz fix von der Idee, DAS IST JETZT DER ZEITPUNKT, verteilten sich die nötigen Aufgaben sehr schnell. Die einen kümmern sich darum, die Menschen von außen willkommen zu heißen und sie einzuladen, das Gebäude zu betreten. Andere versammelten sich zu Krisensitzungen, wiederum andere begannen zu kochen. Der Rest begab sich in Gespräche. Die Studierenden kamen schnell zusammen. Es gibt schließlich ein gemeinsames Ziel.

Besetzung ist ein hartes Wort mit Vorurteilen. Wir sprechen uns jedoch sehr deutlich GEGEN Vandalismus und Randale aus. Im ersten Gespräch mit einem Teil des Präsidiums kam es zu dem Satz: „Wir sind keine Feinde. Wir sind Gegner. Wir vertreten unterschiedliche Interessen.“ Das beschreibt unsere Lage und Haltung dazu sehr gut. Was wir in dieser Zeit erleben und vorleben möchten ist eine Utopie, vielleicht auch das ausleben des Gedankenexperiment Kunsthochschule, über welches wir uns das letzte Jahr viel unterhalten haben.

So kam es in erster Linie zu vielen Gesprächen und Diskussionen. Ein herantasten auch an die Leute, die man noch nicht so gut kennt. Vor allem aber ein Herantasten an ein neues Gefühl, endlich nicht mehr diese Ohnmacht gegenüber einer Autorität spühren zu müssen. Ein Fleckchen Freiheit an dem Ort, an dem uns versprochen wurde frei zu sein.

Beim ersten Plenum wurde geklärt, um welche Dinge wir uns kümmern müssen. Es geht auf der einen Seite um organisatorische Aufgaben- wie beispielsweise das Organisieren und Verwalten des Programms, welches die Blume aufleben lassen soll –, auf der anderen Seite aber auch um Aufgaben , die das Zusammenleben ermöglichen, wie Sauberkeit und die Küche. Es fanden sich Teams für jegliche Aufgaben und wir laden bei Interesse sehr gerne nochmal dazu ein sich zu beteiligen. Es kann endlich einen Ort geben, an dem wir zusammenfinden um uns auszutauschen. Aus der Blumenstraße als Mahnmal soll nun ein kreatives und produktives Denkmal entstehen, an dem alle Künste zusammen kommen können.

Wenn man so durch die offenen Klassen spaziert ist fand man auch Leute die die Situation sofort nutzten um zu arbeiten. Die meisten mussten sich jedoch von dem ersten Schock erholen. Da einige Leute nochmal nach hause gefahren sind um alles Essen, alle Kissen, Decken und Isomatten mitgebracht haben, eben alles was sie finden konnten, konnten auch sie zur Ruhe kommen um in den nächsten Tag zu starten. Denn eine Nacht ist geschafft.

Zum Schluss möchte ich noch einmal etwas wiederholen, was mir jemand zu der jetzigen Situation gesagt hat. Es beschreibt vielleicht ganz gut die Atmosphäre:
„Es ist schon komisch, dass ich euch in den letzten Tagen so oft umarme weil wir uns drei Mal am Tag grüßen. Wir sehen uns auf einmal so viel. Aber versteht mich nicht falsch, das ist einfach sehr schön.“