Die erste Nacht

Es verlief etwas wie im Traum.
Auf einmal geht alles ganz schnell, dann gibt es wieder Momente die lang wie eine Ewigkeit sein könnten. Aber vorallem spührt man sie mal wieder. Die Zeit.

Da sich Leute aus verschiedenen Studiengängen zusammengefunden haben, ganz fix von der Idee, DAS IST JETZT DER ZEITPUNKT, verteilten sich die nötigen Aufgaben sehr schnell. Die einen kümmern sich darum, die Menschen von außen willkommen zu heißen und sie einzuladen, das Gebäude zu betreten. Andere versammelten sich zu Krisensitzungen, wiederum andere begannen zu kochen. Der Rest begab sich in Gespräche. Die Studierenden kamen schnell zusammen. Es gibt schließlich ein gemeinsames Ziel.

Besetzung ist ein hartes Wort mit Vorurteilen. Wir sprechen uns jedoch sehr deutlich GEGEN Vandalismus und Randale aus. Im ersten Gespräch mit einem Teil des Präsidiums kam es zu dem Satz: „Wir sind keine Feinde. Wir sind Gegner. Wir vertreten unterschiedliche Interessen.“ Das beschreibt unsere Lage und Haltung dazu sehr gut. Was wir in dieser Zeit erleben und vorleben möchten ist eine Utopie, vielleicht auch das ausleben des Gedankenexperiment Kunsthochschule, über welches wir uns das letzte Jahr viel unterhalten haben.

So kam es in erster Linie zu vielen Gesprächen und Diskussionen. Ein herantasten auch an die Leute, die man noch nicht so gut kennt. Vor allem aber ein Herantasten an ein neues Gefühl, endlich nicht mehr diese Ohnmacht gegenüber einer Autorität spühren zu müssen. Ein Fleckchen Freiheit an dem Ort, an dem uns versprochen wurde frei zu sein.

Beim ersten Plenum wurde geklärt, um welche Dinge wir uns kümmern müssen. Es geht auf der einen Seite um organisatorische Aufgaben- wie beispielsweise das Organisieren und Verwalten des Programms, welches die Blume aufleben lassen soll –, auf der anderen Seite aber auch um Aufgaben , die das Zusammenleben ermöglichen, wie Sauberkeit und die Küche. Es fanden sich Teams für jegliche Aufgaben und wir laden bei Interesse sehr gerne nochmal dazu ein sich zu beteiligen. Es kann endlich einen Ort geben, an dem wir zusammenfinden um uns auszutauschen. Aus der Blumenstraße als Mahnmal soll nun ein kreatives und produktives Denkmal entstehen, an dem alle Künste zusammen kommen können.

Wenn man so durch die offenen Klassen spaziert ist fand man auch Leute die die Situation sofort nutzten um zu arbeiten. Die meisten mussten sich jedoch von dem ersten Schock erholen. Da einige Leute nochmal nach hause gefahren sind um alles Essen, alle Kissen, Decken und Isomatten mitgebracht haben, eben alles was sie finden konnten, konnten auch sie zur Ruhe kommen um in den nächsten Tag zu starten. Denn eine Nacht ist geschafft.

Zum Schluss möchte ich noch einmal etwas wiederholen, was mir jemand zu der jetzigen Situation gesagt hat. Es beschreibt vielleicht ganz gut die Atmosphäre:
„Es ist schon komisch, dass ich euch in den letzten Tagen so oft umarme weil wir uns drei Mal am Tag grüßen. Wir sehen uns auf einmal so viel. Aber versteht mich nicht falsch, das ist einfach sehr schön.“